Two pure idiots- Parsifal twice in one week // Der Doppelte Tor- Zwei Mal Parsifal in einer Woche

LIVE-
Parsifal, Rattle, Philharmoniker;
Parsifal, Barenboim, Staatsoper

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Was macht man in einer freien Woche in Berlin so Schönes fürs Abendprogramm? Man schaut einfach mal, was die großen Opernhäuser und Symphonieorchester so im Programm haben. Und siehe da, sowohl in der Philharmonie als auch in der Staatsoper gibt es Wagners fünfstündigen Parsifal, binnen einer Woche mit derselben Kundry. Nina Stemmes Schreie sind sowohl am Sonntag in der Staatoper als auch Freitags in der Philharmonie zu erleben. Mit Daniel Barenboim dirigiert der wohl beste Parsifaldirigent unserer Zeit die eine Aufführung, mit Sir Simon Rattle der Innovationsbeauftragte der Philharmoniker die Andere. Also nichts wie los! Zwei- fiktive- Kritiker im Dialog!

Staatsoper Unter Den Linden, Montag den 2. April 2018 (SUD): Geschafft, bin drin! 1. Rang rechts, Reihe 2 Platz 3. Kenner wissen, das sind die besten Plätze im Haus. Werden günstig als “sichteingeschränkt” verkauft, weil man 5% der Inszenierung nicht sieht. Gleichzeitig wunderbare Nähe zu den Sängern und grandiosen Blick in den Graben.

Philharmonie Berlin, Freitag den 6. April 2018 (Phil): Grandiosen Blick hab ich auch. Zum ersten Mal hab ich mich Block H getraut zu buchen (Rechts, Reihe 2), ich kann Wieland Welzel praktisch aufs Paukenfell spucken. Der Chor direkt neben mir, mal schauen ob ich durch Sir Simons Blick heute Abend welthellsichtig werde.

SUD: Welthellsichtig wird man hier ganz sicher durch die grandiose Inszenierung von  Dmitri Tcherniakov. Ein herrlich passendes Bühnenbild, dass gerade im zweiten Akt expressionistisch wirken kann, aber doch nie die Bodenhaftung verliert. Ein Kommentarton, der couragiert und informiert ist, aber nie ins (manchmal auch durchaus passende) Trashniveau von Hans Neuenfels abgleitet. Da ist Emotion, grandiose Personenführung, herrliches Licht und mit Falk Struckmann als Klingsor ein solch schönes, passendes Rollenportrait, dass es einem lange in Erinnerung bleiben wird. René Pape als Gurnemanz hat eine grandiose Basskraft, die Rolle ist wie für ihn geschrieben. Seine Autorität und pure Bühnenpräsenz können nicht mehr getoppt werden.

Phil: Nicht so schnell! Einen grandiosen Gurnemanz haben wir auch hier zu bieten. Franz-Josef Selig geht das ganze viel lyrischer an. Hier ist nichts mit Autorität, aber dafür hinreißende Variation in der Phrasierung! Was für Nuancen er in die langen Monologe im ersten und dritten Akt bringt, welch klare Diktion! Ja, zehn Fußminuten weg in der Philharmonie hört man Parsifal konzertant, also alles etwas geerdeter. Damit hängt die Aufführung natürlich umso mehr an den Sängern, und Selig agiert hier grandios, die Aufführung atmet mit ihm und durch ihn. Große Sängerkunst! Dafür ist Evgeny Nikitins Klingsor etwas unterkühlt hier drüben, “Vieh,” wird schnell zur “Fee”.

SUD: Also unterkühlt ist hier eigentlich keiner, aber Nina Stemme braucht doch als Kundry etwas mehr Zeit, um in diese Inszenierung hineinzufinden. Ihre Stimme ist von Anfang an voll da, aber darstellerisch wirkt sie im ersten Akt teils etwas unbeholfen. Sie tritt natürlich auch an der Staatsoper in die Fußstapfen der legendären Waltraud Meier, die hier über Jahrzehnte Stammbesetzung als Kundry war.

Phil: Interessant, in der Philharmonie wirkt Stemme definitiv völlig zuhause ihrer Rolle der Urteufelin. Die Schreie kommen unglaublich prägnant, ihm dritten Akt geht sogar ein bestürztes Raunen durch das Publikum. Für mich hat Stemme Kundry drauf, aber vielleicht liegt das auch an Sir Simons Dirigat. Stemme hat ja bereits mit ihm die Isolde zusammen gemacht, vor zwei Jahren an der Met. Vielleicht haben sich da ja zwei ähnliche Künstlerpersönlichkeiten gefunden.

SUD: Na, speaking of “ähnliche Künstlerpersönlichkeiten”, das größte Wunder des philharmonischen Parsifals ist doch eigentlich, dass Sir Simons Ehefrau Magdalena Kožena nicht als Kundry debütiert.

Phil: Aufpassen! Wer im Glashaus sitzt… Barenboim-Sohn Michael spielt ja auch noch im Divan Orchestra vom Papa mit.

SUD: Nun gut, genug der Bissigkeiten. Bei mir hält Gurnemanz übrigens gerade eine Powerpoint-Präsentation. Auch ein großartiger Regienfall Tcherniakovs. Die Exposition nicht verstecken in irgendwelchen Bühnenbildtricks oder Lichteffekten, sondern sie einfach überzeichnen! Da lernen die Knappen (und das Publikum) ganz behutsam und gesittet, was so alles mit Titurel, Klingsor und Co. passiert ist.

Phil: Keine Präsentation, aber dafür eine Demonstration gerade in der Philharmonie! Eine Demonstration, wie man Pauke spielt. Die Pauken aus solch nächster Nähe bei der Verwandlungsmusik zu beobachten ist schlichtweg grandios, ich hab Gänsehaut. Was für eine Kraft! Was für ein Klang! Hier ist Wagner Magier. Die Wechsel von harten Klangfarben (Glocken, Pauke) und weichen Klangfarben (Holzbläser, Chor) machen die Verwandlungsmusik zum Highlight des Abends in der Philharmonie, auch weil Sir Simon die Tempi angenehm zurücknimmt. Und dieser Chor! Der Rundfunkchor Berlin singt die Chorpassagen so betörend schön, als wäre Franz-Josef Selig mit seiner grandiosen Diktion knapp dreißig mal geklont worden und daraus dann ein Herrenchor entstanden. Auch die Damen in der mittleren und höchsten Höhe überzeugen restlos.

SUD: Interessant, hier ist der Chor nicht ganz so prägnant und klar. Dafür aber verscheucht Rene Papes Gurnemanz Andreas Schager als Hobo-Parsifal wie eine Fliege von der Bühne. Die Sänger stürzen sich in Inszenierung und Stück, ohne Rücksicht und Verschnaufpause.

Phil: Wenn wir schon bei Pausen sind, was machst du eigentlich noch an deinem Platz? In der Philharmonie ist schon seit 15 Minuten Pause! Ich stehe im Foyer und mampfe die traditionelle Philharmoniebrezel, dazu Orangina. Barenboim streicht wohl mal wieder mit breitem Pinsel?

SUD: Jap, genau das tut er. Und es ist genial. Er ist eben der beste für Parsifal. Weihe, klangliches Wabern, große, ausgekostete Spannungsbögen und diese nebelige, tiefreligiöse Klangstruktur. Hier bekommt man einen Parsifal, wie man ihn kennt und liebt. Das ist groß gedacht, und obwohl der erste Akt jetzt auf die Marke von 1:50 Stunden zusteuert, verliert man nie den Faden. Die Akustik der neuen Staatsoper beweist, dass wir in Berlin ein neues (altes) top-Wagnerhaus haben. Die einzelnen Stimmen sind klar vernehmbar, aber eben nicht so klinisch wie in der Elbphilharmonie. Hier wird man vom warmen Klang des Orchesters von allen Seiten umringt und kann darin baden.

Phil: Na gut, mach du dir mal eine schöne Pause, ich sitze schon wieder für den Beginn des zweiten Aktes. Jetzt geh ich baden, und zwar in zuckersüßer Blumenmädchenmusik. Sir Simon dirigiert schneller, Boulez-hafter. Er kann eben eine herrliche Energie und Zerknirschtheit aus den etwas schnelleren Tempi ziehen, die Transparenz im Orchester und die grandiose Phrasierung der Holzbläser der Philharmoniker tun ihr übriges. Dieses Orchester ist ganz sicher das beste Wagnerorchester der Welt, da gibt es für mich keinen Zweifel. Diese weichen, sanften Streicher, die Perfektion im Blech. Wo soll man das noch toppen? Das akustische Erlebnis in der Philharmonie ist ganz sicher einzigartig, auch weil das Orchester konzertant so dermaßen exponiert ist. Der Prozess der Klangmixtur, den Wagner ja unterm Bayreuther Deckel so gut versteckt hat, wird hier so atemberaubend offen gelegt, dass man sich kaum satt hören kann. Der spannungsgeladene Beginn des zweiten Aktes erinnert von Spannung und Orchesterengagement her an die Eröffnung der Walküre, die folgende Blumenmädchenmusik ist süß wie Zuckerguss.

SUD: Wenn es in der Philharmonie Süßes zu hören gibt, gibt es hier auch Süßes zu sehen! Tcherniakovs Bühnenbild im zweiten Akt ist weiß und Steril wie ein Hinterzimmer von Willy Wonkas Schokoladenfabrik mit den Blumenmädchen als bunt und grell gekleideten Süßigkeiten und Klingsor als Wollpolunder-tragenden (leicht pädophilen?) Schokoladenfabrikanten. Außerdem schafft Tcherniakov große Emotionen mit einer herrlichen Rückblende in Parsifals Jugendzeit (Pubertät und so weiter) während Kundrys Verführungsmusik. Noch nie hat ein einziges Reiterspielzeug so viel Emotionen in so vielen Menschen hervorgerufen. Boyhood gekreuzt mit Charlie and the Chocolate Factory gibt den zweiten Akt Parsifal an der Staatsoper. Und das funktioniert auch noch.

Phil: Nachdem Evgeny Nikitins (virtuelles) Klingsorschloss in der Philharmonie Ordnungsgemäß mithilfe des heiligen Speeres beseitigt wurde, ist hier schon zweite Pause. Zeit, sich zu sammeln. Stuart Skelton hat ein herrlich tiefes, farbiges und doch durch und durch männliches “Amfortas, die Wunde!” und spielt in der Szene mit den Blumenmädchen einen ganz wunderbaren, unbeholfenen Teenager. Eine wirklich fantastische Besetzung für diese Rolle, nächstes Jahr wird er mit den Philharmonikern zu Ostern Othello singen. Einhelliger Beifall für Skelton zum Schluss.

SUD: Für Parsifal Andreas Schager gibt es an der Staatsoper zum Schluss einige (wenige) Buhs. Einhellig sind die Meinungen zu ihm nun mal nicht. Für mich singt Schager ausgezeichnet, steigert sich aber wie Nina Stemme in den Abend herein. Sein Tenor ist eben eher metallisch im Timbre und von ungeheurer Durchsetzungskraft. Selbst in den Fortissimopassagen des zweiten Aktes dringt seine Stimme über das Orchester. Das ist große Opernkunst, auch wenn Skelton wahrscheinlich gefühlvoller, naiver, rücksichtsvoller, verwundbarer und Kaufmann-hafter singt. Dafür gibt Tcherniakov aber durch die Rückblende in die Jugend im zweiten Akt dem Sänger des Parsifal wunderbaren, emotionalen Schauspielstoff.

Phil: So, zweite Pause geschafft. Die Philharmonie ist immer noch bemerkenswert voll, keine Zuschauer hat Wagner hier vergräuelt. Das verwundert auch nicht, bei einer solchen Darbietung. Der dritte Akt vergeht ja wie immer bei Parsifal unglaublich schnell. Das ist großartig komponiert, gefühlt unmittelbar nachdem man sich hingesetzt hat ist der Karfreitagszauber grad vorbei und der Gral wird enthüllt. Zu Beginn, wo Gurnemanz Kundry im Wald findet, findet sich der vielleicht einzige Punkt wo mir Rattles Dirigat auffällig schnell vorkommt. Aber sobald Franz-Josef Selig seinen grandios lyrischen, abwechslungsreichen und perfekt intonierten Karfreitagszauber zaubert, ist jedes Tempo von vorher sowieso vergessen.

SUD: Papes Karfreitagszauber ist zwar anders, aber steht dem ganz sicher in nichts nach. Pape spielt hier einen verschlissenen Menschen, der hager mit langem Bart als halb-toter Gralsritter über die Bühne humpelt. Und was kommt aus diesem so herunterinszenierten Sängerkörper für ein Ton! Der Bass erfüllt die Halle, Barenboims weihevolles Dirigat gibt den Rest. Lauri Vasar ist ein eher passiver, basslastiger Amfortas und wird vom Chor so kreativ und drohend umschwemmt wie Anna Netrebko als Violetta in Salzburg unter Willy Decker.

Phil: In der Philharmonie umschwemmt das Orchester Gerald Finley. Finley ist eine hochinteressante Besetzung für Amfortas. Ein deutlich helleres Timbre gibt erst einmal einen famosen, liederhaften Hans Sachs. Sein Amfortas ist kämpferischer und lebhafter als die meisten, basslastigeren Sänger dieser Rolle. In seiner Stimme hört man ganz klar: dieser Amfortas hat noch nicht alle Hoffnung aufgegeben. Das ist eben etwas Anderes als sonst, zusammen mit Rattles modernem, transparentem Dirigat funktioniert es. Finley ist außerdem der einzige Sänger, der das Publikum in seinem Rücken nicht vergisst und sich bei seinen lauteren Passagen im Kreis dreht. Damit sieht und hört man ihnen besser, es sieht aber auch lustig aus. Amfortas’ konzertantes Bühnenballett.

SUD: In der Staatsoper tanzt zwar keiner Ballett, aber die üblichen Regisseur-extravaganzen, wie es sie bei jeder Bühnenproduktion gibt, findet man hier auch. Erstmal finden Kundry und Parsifal im dritten Akt romantisch zueinander. Da die beiden schon durch die Jugend-Rückblende im zweiten Akt eine emotionale Bindung haben, macht das Sinn. Doch dann fängt Kundry in der Schlussmusik plötzlich an mit Amfortas herumzumachen, bevor sie von Gurnemanz erstochen wird. Das versteht dann wieder keiner. Aber sei’s drum. Am Schluss steht hier an der Staatsoper ein fantastischer Parsifal, einer zum Genießen. Eine grandiose Inszenierung, die sowohl aus dem Stück als auch seiner Titelfigur so viel mehr macht, beide so viel mehr sein lässt. Barenboims Dirigat ist das eines traditionsbewussten Veteranen, ein großer seiner Zunft gibt hier seine informierte Sichtweise auf eine der schönsten Opern aller Zeiten. Oft wird Barenboim dieses Stück wohl nicht mehr dirigieren, nächstes Jahr gibt es in Berlins neuem besten Wagnerhaus die Wiederaufnahme von Tcherniakovs neuer Tristan- Inszenierung sowie der Meistersinger von Andrea Moses. Wenn man diesen Parsifal noch einmal unter Barenboim bekommt, dazu noch mit solch einer Besetzung, sollte man ihn sehen.

Phil: Der Parsifal in der Philharmonie ist eher einer zum Nachdenken, der nicht alten Idealen huldigt. Dieser Parsifal ist immer in Bewegung, steht nie still. Die Sänger sind so besetzt, dass sie nie Langeweile aufkommen lassen und Rattles schnellere, spannende Melodielinien grandios mittragen können. Die Philharmoniker sind das perfekte Orchester für einen solchen Ansatz. Das Publikum kann sich selten im Klang ausruhen, sondern wird immer gefordert. Das ist auch Teil von Sir Simons Vermächtnis als Chefdirigent. Sei es sein Beethoven-Zyklus oder seine Wagner-Interpretationen, man muss bei ihm immer nachdenken. Das gefällt nicht jedem und passt vielleicht auch nicht ideal zu jedem Stück, aber Parsifal wird dadurch zu mehr als purem Genuss. Wir bekommen eine lange Liste von Fragen, eine Einladung zur Reflektion. Das Publikum zum Nachdenken anregen, es durch Kunst verändern. Hier ist Rattle wahrhaftig Künstler.

Ließ hier die komplette Kritik für den Parsifal mit Rattle in der Philharmonie und Barenboim an der Staatsoper!

// ENGLISH

So what do you do, when you have a week off in Berlin? Well, you have a look, what the opera houses and symphony orchestras of the city have on offer. This week, both the Philharmonie as well as the State Opera are playing Wagner’s 5-hour epos Parsifal. Daniel Barenboim, the perhaps greatest living conductor of Wagner’s final work, conducts at the Staatsoper while Sir Simon Rattle, the innovative chief conductor of the Berliner Philharmoniker mounts the Podium at Karajanstraße. It turns out that Nina Stemme sings Kundry in both productions, her shrill gasps can be heard on Sunday at the Staatsoper and on Friday in the Philharmonie. So let’s compare! Here are two fictional critics, comparing their experiences:

Berlin State Opera, Monday the 2nd of April 2018 (BSO): Made it! My seat is secretly the best one in the house. 1st floor on the right, row 2 seat 3. Although these seats are sold as “vision impaired” (approximately 5% of the scene is not visible), they offer fantastic proximity to the singers and a stunning view of the pit.

Philharmonie Berlin, Friday the 6th of April 2018 (Phil): Well, I certainly have a fantastic view here as well! For the first time I am sitting in block H (right, row 2), the orchestra has its backs to me. I am in spitting range of the Timpani and the heads of the choir. Let’s see if Sir Simon’s gestures will enlighten me tonight.

BSO: Over here we have another opportunity to experience Dmitri Tcherniakov’s incredible stage production. What a fitting mise en scène! Expressionist effects in act two, but never out of touch with the fiercely human proceedings of the music. Tcherniakov strikes a courageous, commenting tone, but never disintegrates into the (on some occasions quite appropriate) trash-level of true expressionists like Hans Neuenfels. What emotion, what movement on stage, that fitting, gloomy lighting! And Falk Struckmann gives us a Klingsor for the ages. The 60-year old bass is a perfect fit for the role and delivers a portrayal that I am unlikely to forget. Same goes for veteran René Pape as Gurnemanz. He wields such incredible power in his strong, uncompromising, soulful timbre, that it appears like Gurnemanz was written for him. As far as I am concerned, his presence and authority on stage is second to none.

Phil: Hold your horses! We also have an incredible (though quite different) Gurnemanz  at the Philharmonie tonight. Franz-Josef Selig takes a much more lyrical approach to the character. His Gurnemanz does not breath authority through brute force on stage, but nonetheless takes your breath away with that incredible phrasing. Gurnemanz’s long monologues in both acts one and three never get boring because that diction never allows your thoughts to stray. You always hear and understand what is going on. Ten minutes walk from the Staatsoper, and you get a concert performance of Parsifal that is much more grounded but just as insightful. In a concert performance, the success of the evening is even more dependent on the singers, and Selig makes a success of it by truly breathing his character. In contrast, our Klingsor (Evgeny Nikitin) is slightly lacking in his diction (“Vieh,” quickly becomes “Fee” when he greets Kundry).

BSO: Well, no one is really lacking in diction here, but Nina Stemme needs some time to get a grip for the feel of the production. Her voice is in top form right from the beginning, but her acting is slightly dégagé in act one. In her defence, we must not forget that she has to fill the shoes of the legendary Waltraud Meier at the Staatsoper, who was the Kundry of this house through the last 25 years.

Phil: Well isn’t that interesting. At the Philharmonie, Stemme injects her burning presence as Kundry, the eternal devil, right from the first bar. Her shrieks are incredible jarring, in act 3 a horrified murmur runs through the audience. Sir Simon’s conducting might make a difference. Stemme has already done a Tristan with him, two years ago at the Met. Maybe the two discovered similarities in their artistic personalities there…

BSO: Well, speaking of “similarities in artistic personalities,” the greatest surprise about the Parsifal in the Philharmonie to me is, that Sir Simon’s wife Magdalena Kožena is not making her debut as Kundry tonight…

Phil: Now, now. Doesn’t Barenboim’s son Michael also play in his father’s Divan orchestra?

BSO: Ok, point taken. Let’s return back to the business of things. Right now, Gurnemanz is holding a powerpoint presentation. Another one of those great tweaks from Tcherniakov’s clever mind: Why hide the exposition in weird scenery-tricks or lighting effects? Just make a caricature out of it! Thanks to René Pape’s gorgeous singing, both knights and public eagerly follow the lecture on Titurel, Klingsor and past history.

Phil: While there is no presentation of history in the Philharmonie, we are getting a masterclass in how to play the timpani. Seeing the massive instruments in such proximity is an incredible experience that gives everyone in block h goosebumps. I didn’t check, but I’ll still guarantee it. Wagner is a true magician here. Switching between the hard (bells, timpani) and soft extremes of the sound spectrum (woodwinds, choir), the transfiguration music is the undoubted highlight of the evening, also because Sir Simon employs pleasantly moderate tempi. And then there is the Rundfunkchor Berlin, who sings the choir passage with such a precise diction and exquisite temperament, that you would suspect that they cloned Franz-Josef Selig roughly 30 times and made a choir out of his clones. Same goes for the women in the higher sections (not the cloning part).

BSO: Interesting, the choir is not quite as precise or foregrounded at the Staatsoper. But Rene Pape’s Gurnemanz literally shoves Andreas Schager as Hobo-Parsifal off the stage like he isn’t even there. The singers dive into the piece headfirst without let-up and have  completely internalised Tcherniakov’s vision of the piece.

Phil: Well, speaking of let-ups… What are you still doing sitting in the opera? Here at the Philharmonie we are already having our first interval! For roughly 15 minutes I have been standing in the foyer, leisurely enjoying the obligatory Prezel. I’m assuming that Barenboim is, once again, taking his time?

BSO: Yes, precisely. And it is truly mind-boggling. He is simply the best conductor for Parsifal alive today, period. What sound, what graceful, grand arcs of suspense! These nebulous, deeply religious textures! This the Parsifal you know and love, big thoughts and big music. As expected, the first act is steadily heading for the magic mark of 1:50 hours. And you never lose track of the music. The acoustics of the renovated State Opera house are proving their worth. We have a new world-class Wagner opera house in Berlin. While you hear every single instrument clearly, the sound is not as clinical or scientific as the new Elbphilharmonie in Hamburg. In Berlin, the warm sound of the orchestra envelops you and allows you to bathe in its many beautiful facets.

Phil: Well, you have a great break. I am already back at my seat for the beginning of act two. And now it is my turn to go bathing in the sweet scent of the flower-maidens. Sir Simon Rattle has a quicker, more Boulezian approach to the piece. He gets that wonderful energy out of the slightly rash, angered tempi. Rattle keeps the transparency in the orchestra, while the incredible woodwinds of the Philharmoniker do their part. This orchestra is, beyond any doubt, the best Wagner orchestra in the world. The perfect brass, the dark, soulful strings. How are you going to top that? And the acoustics in the Philharmonie are unique as usual. It’s a concert performance, so the orchestra is really quite exposed. The mythical process of sound-mixing, which Wagner managed to hide so effectively under his lid at Bayreuth, is completely laid bare at the Philharmonie. There is so much to listen to, so much to find that usually remains hidden. Rattle forms the beginning of act two with such energy and brute force that it is reminiscent of the beginning of Walküre, the following flower-maiden music is as sweet as sugar frosting on a cake.

BSO: While you may be hearing something sweet in the Philharmonie, I am also seeing something seriously sweet at the Staatsoper. Tcherniakov’s setting in act two is white and sterile like a hidden chemical cabinet of Willy Wonka’s chocolate factory featuring the flower maidens as colourful candy and Klingsor as a (slightly paedophilic?), wool-cardigan wearing factory head. Tcherniakov also draws some fantastic emotion out of the piece by inserting a flashback into Parsifal’s youth (puberty and other things) during Kundry’s seduction. Cross Boyhood with Charlie and the Chocolate Factory and you get the second act of Parsifal at the Staatsoper. And (perhaps the biggest surprise) it works phenomenally well.

Phil: At the Philharmonie, Klingsor’s castle has just been destroyed through the aid of the holy spear. Second interval. Stuart Skelton is singing the title role tonight and sports a beautiful mellowy-deep, colourful timbre, while mustering enough force for a strong “Amfortas, die Wunde!” In the flower maiden scene, he acts the role of the lost teenage boy with great authenticity and (necessary) immaturity. He is a great fit for this role, next year we will be hearing him as Othello with the Philharmoniker.

BSO: Skelton may be getting bravi and applause, Andreas Schager gets a few (very isolated) boos at the end. Opinions among opera fans are a little divided on him, just like Stemme he too needs some time to get going. His tenor has a rather metallic timbre and a truly bursting force. Hearing him as Tristan must be quite an event. Even in the loudest fortissimo passages, Schager manages to surpass the orchestra in terms of dynamic force. Skelton is most likely more naive, filled with feeling, regret and vulnerability, more Kaufmann-like. But in exchange, Tcherniakov gives Schager the emotional flashback in act two, and with that some highly emotional acting to explore.

Phil: Emotions are also running high over here, that’s the second interval done. The Philharmonie is still filled to the brim, only very few audience members have left. That is no surprise, given the performance we are witnessing tonight. As always with Parsifal, the third act is over in a heartbeat. It feels like as soon as you sit down, the Good Friday Music has just finished and the grail is about to be presented. The only point (in the entire evening) where I feel that Rattle might be rushing things a little bit, is when Gurnemanz finds Kundry directly at the beginning. But as soon as Franz-Josef Selig gets to do his magic in the Good Friday Music, sporting incomparable variation and perfect diction, every tempo from before is forgotten.

BSO: Pape’s Good Friday Music is a different interpretation, but in no way inferior. Pape’s Gurnemanz is defeated by time and ensuing events, sporting a long beard and hobbling across the stage in a state of shock. And out of this wounded body comes a sound that is truly from another planet. Pape’s bass fills the hall, Barenboim’s conducting does the rest of the magic. Perhaps the Good Friday Music is the highlight at the Staatsoper. Lauri Vasar might be a slightly passive Amfortas, but the Choir sweeps around him so menacingly, that one feels reminded of Willy Decker’s fantastic handling of the Vienna State Opera Choir swarming around Anna Netrebko as Traviata 2005.

Phil: In the Philharmonie, the orchestra sweeps around Gerald Finley. He is an interesting Amfortas: His baritonal timbre is lighter than most and works for a beautifully lyrical Hans Sachs. As Amfortas, Finley has more fighting spirit and life than most bass-heavy interpreters of this role. In his voice, we can hear clearly: This Amfortas has not given up all hope yet. That is something different form the norm, and it works together with Rattle’s modern, transparent conducting. Finley is also the only singer, who (generously) remembers the public behind him and does a slow pirouette in the loudest passages to project his sound to the audience members sitting behind the orchestra as well.

BSO: While no one is dancing pirouettes at the Staatsoper, we still get the usual eccentricities that every stage director somehow always manages to sneak in. First of all, Kundry and Parsifal appear to get romantically infatuated with one another in act three. As the two already have a bond through the flashback from act two, that makes sense. In the final chorus however, Kundry starts a heavy make-out session with Amfortas (for some reason) and is then stabbed in the back by Gurnemanz (for some reason). Be that as it may, in the end we have a fantastic Parsifal at the Staatsoper featuring an emotionally gripping stage production that allows the title character to be so much more than usual. Barenboim conducts like the traditionalist veteran that he is, one of the all-time greats gives his unique, complex and brilliant view of one of the most beautiful operas ever written. In all likelihood, Barenboim will not be conducting this piece too many more times, his Wagner productions next year feature the reprisal of Tcherniakov’s new Tristan production as well as Meistersinger, staged by Andrea Moses. If you have any chance to see this Parsifal again with Barenboim conducting, you should buy the ticket without a second thought.

Phil: Same goes for the Philharmoniker, but for different reasons. The Parsifal at the Philharmonie truly inspires deep thoughts, because it does not confirm to old ideals. Constantly moving, never standing still, the interpretation and the singers never even come close to boredom or a halt. The Philharmoniker can perfectly transcribe Rattle’s approach into music, where the public is never able to relax but is always held on the edge. This is part of Sir Simon’s legacy as chief conductor. Be it in his Beethoven cycle or in his Wagner-interpretations, he always wants you to think. While not everyone likes that approach (and it also may not always fit perfectly to the score), Parsifal is perfectly suited for it. Rattle delivers a long list of questions, an invitation to rethink, reflect and changes the public through the power of art. Signs of a true artist.

Read the reviews for the individuals productions here for Rattle and Philharmoniker and here for Barenboim at the Staatsoper!

4 thoughts on “Two pure idiots- Parsifal twice in one week // Der Doppelte Tor- Zwei Mal Parsifal in einer Woche

  1. zur Info für Parsifal-Fan

    https://www.operadeparis.fr/en/magazine/parsifal-and-sound-became-space

    [https://res.cloudinary.com/opera-national-de-paris/image/upload/c_crop%2ch_1831%2cw_3260%2cx_0%2cy_219/c_fill%2ch_315%2cw_600/a_270%2cc_fit%2cco_rgb:fff%2cg_south_west%2cl_text:Helvetica_10_left:%C2%A9%20Philippe%20Gontier%20%252F%20OnP%2cw_315%2cx_5%2cy_5/v1/user_photos/v0ch9g8snf4cyoj2tg19]

    Parsifal … And Sound became Space – Opéra national de Paris http://www.operadeparis.fr Created at the Bayreuth Festival in 1882, Parsifal is Richard Wagner’s last opera.A sacred work that projects the viewer into the most mysterious and hypnotic musical time and space.

    Margot Rakau

    ________________________________ Von: Freshearsclassics/Frischeohrenfürklassik Gesendet: Dienstag, 8. Mai 2018 15:38 An: margot.rakau@hotmail.de Betreff: [New post] Der Doppelte Tor- Zwei Mal Parsifal in einer Woche // Two pure idiots- Parsifal twice in one week.

    Yannik Eisenaecher posted: “–SCROLL DOWN FOR ENGLISH– Was macht man in einer freien Woche in Berlin so Schönes fürs Abendprogramm? Man schaut einfach mal, was die großen Opernhäuser und Symphonieorchester so im Programm haben. Und siehe da, sowohl in der Philharmonie als auch in “

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