Review // Bericht Parsifal; Rattle, Berliner Philharmoniker, Stemme, Finley, Skelton, Selig, Nikitin

LIVE: Wagner, Parsifal; Rattle, Berliner Philharmoniker, Stemme, Finley, Skelton, Selig, Nikitin. Philharmonie Berlin, 6.4.2018

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Ein denkwürdiger Abend in der Berliner Philharmonie. Es ist bereits mein zweiter Parsifal in einer Woche, den ersten hörte ich am Montag in der Staatsoper Berlin mit Daniel Barenboim am Pult (hier geht es zur Kritik!). Heute also Sir Simon Rattle bei den Berliner Philharmonikern, mit derselben Kundry. Nina Stemme singt in beiden Produktionen.

Die Aufführung ist konzertant, das stört gerade bei Parsifal nicht. Die Musik verweilt und generiert ihre Magie aus ihrer Langsamkeit und Religiösität. Parsifal ist sicher eine Oper zum Nachdenken, bei einer konzertanten Aufführung gibt es dafür umso mehr Raum. Allerdings kann eine tolle Bühnenproduktion, wie etwa die von Dmitri Tcherniakov an der Staatsoper, auch gut tun.

Rattle dirigiert das Stück völlig anders als Barenboim und doch gelangen beide Aufführungen zu grandiosem Erfolg. Wo Barenboim verweilt, Weihrauch passieren lässt und Struktur verwischt, sieht sich Rattle vielmehr in der Tradition des großen Pierre Boulez, der 1973 in Bayreuth das Stück nach Jahren unter Knappertsbusch entstaubte. Bei Rattle sind alle Akte kürzer, der erste Akt dauert nur etwa 1:30 Stunden. Schon das Vorspiel beginnt langsam, aber fließt fortwährend. Nie tritt die Musik auf der Stelle, sie ist immer in Bewegung.

Nie hört man hier Grandesse oder Wagnersches Gigantentum. Die ganze Weihe ist aus dem Stück genommen, stattdessen herrschen schnellere Tempi und spannende, transparente Strukturen. Die Phrasierung wird durch die famosen Solobläser der Philharmoniker an allen Instrumenten zu einem Fest, an dem man sich nicht satt hören kann. Die Philharmoniker spielen dermaßen grandios, dass man hier tatsächlich einem Bühnenweihfestspiel beiwohnt. Das Orchester weiht seine Bühne mit dem edelsten, besten Wagnerspiel. Karajan selbst sagte einst, er sei überzeugt dass die Musik Wagners für die Philharmoniker geschrieben sei. Ob das stimmt oder nicht, der tiefe Streicherklang der Philharmoniker (großartig in Gurnemanz´ Monolog) gepaart mit einer (eher heller schattierten) Perfektion im Blech (Todesverkündigung Herzeleides) macht jedes Wagnerkonzert dieses Orchesters zu einem grandiosen Ereignis. Es ist kaum zu begreifen, aber der Abend hat kein Makel: Das Orchester spielt keinen einzigen Fehler in einer Partitur, die gewiss nicht leicht zu spielen ist. Selbst Barenboims Staatskapelle hatte ein paar Wackler im Blech. Hier in der Philharmonie findet sich nichts.

Der Abend ist mit Höhepunkten gefüllt. Obwohl Sir Simon den ersten Akt insgesamt deutlich schneller als Barenboim nimmt, sind die Tempi der Verwandlungsmusik angenehm zurückgenommen. Sie wird zum Highlight des Abends, gerade wenn man Block H (hinter dem Orchester) sitzt. Wieland Welzel an der Pauke bei dieser Verwandlungsmusik aus nächster Nähe zuzuschauen war ein Erlebnis, das mir lange in Erinnerung bleiben wird. Gerade hier zeigt Rattle seine Meisterschaft darin, dieser Musik eine grandiose Kraft zu entlocken, die bei Barenboim eher verborgen blieb. Rattle setzt teils ruckartige Akzente, da steckt auch etwas Zerknirschtheit mit drinnen. Dieser Parsifal ist nicht mit sich und seiner Natur im Reinen. Die Musik kämpft mit sich selbst, Wagners Realität wird umgedreht: Statt Selbstaffirmation gibt es Selbstzweifel, musikalischen Kampf und Dramatik.

Wenn der erste Akt wird durch die schnelleren Tempi musikalisch und gerade klanglich spannender wird, ist der zweite Akt eine Offenbarung. Er vergeht wie im Flug, weil er Rattle liegt. Der kann hier überzeichnen, die Farben zu grell machen, mit Anlauf über das Ziel hinausschießen. Zu erleben wie sich einer der wohl energetischsten, kraftorientiertesten Dirigenten unserer Zeit Energie aus einem Orchester mit schier unbegrenzten Reserven holt ist eine einmalige Erfahrung. Die Musik lädt Rattle eben dazu ein; sie ist beinahe zu süß. Kundrys Verführungsgesang sowie die Blumenmädchenszene kann Rattle wunderbar hinausziehen wie ein pinkes Kaugummi. Er strafft Tempi und Orchesterklang, gerade dank der energetischen Streicher wird dieser zweite Akt spannend, schnell und kurzweilig. So erinnert der Auftritt Kundrys im ersten Akt schon entfernt an den Walkürenritt. Dabei bleibt aber auch die intelligente Struktur, die dynamische Schichtung des ersten Aktes erhalten. Die Musik bleibt transparent, die individuellen Stimmen sind jederzeit klar vernehmbar.

Im dritten Akt agiert das Orchester ebenfalls mit großer Rücksicht auf die Sänger, ohne viel von der eigenen klanglichen Stärke und Perfektion aufzugeben. Das Vorspiel nimmt Rattle extra zerknirscht, mit spürbaren rhythmischen Akzenten und klaren Konturen. Jetzt erinnert das ganze schon mehr an den dritten Akt des Tristan. Auch musikalisch ist die Gralsgesellschaft am Abgrund. In der Schlussmusik moderiert Rattle die Tempi wieder, sodass die Musik sich wahrhaftig aussingen kann. Am Ende beschleicht mich derselbe Eindruck wie bei Barenboim am Montag: Man hat gerade den letzten Atemzug eines grandiosen Weltabschiedswerkes gehört. Und dabei waren beide Vorstellungen vollkommen anders dirigiert.

Normalerweise kommt man jetzt zu den Sängern, aber vor den Sängern gilt es an dieser Stelle den eigentlich Star des Abends ins Zentrum zu setzen. Der Rundfunkchor Berlin singt dermaßen grandios, Parsifal kommt einem schon vor wie eine Chor-Oper wie Tannhäuser. Der Staatsopernchor kann an die schiere Präzision des Rundfunkchores nicht ansatzweise herankommen. Vielleicht ist die Philharmonie als Konzertsaal etwas freundlicher gegenüber dem Chor, der hier sicher prominenter platziert ist. Aber die Diktion des Rundfunkchors ist so viel klarer! Die letzten Worte „Hehrstes Wunder! Erlösung dem Erlöser!“ kommen dermaßen exakt, dass man endlich in der Musik erkennen kann, wie Wagner genau die Chöre aufgeteilt hat. Gralsritter, mittlere Höhe und höchste Höhe sind jeweils separat gestellt, in der Philharmonie kommt aber der Klang von allen Emporen gleich unmittelbar beim Zuhörer an. Dank einem Chor der dermaßen starken Stimmen (grandios einstudiert von Sir Simons langjährigem Chorleiter Simon Halsey) wird dieser Parsifal zu einem Ereignis, egal was die Sänger machen. Ich durfte ihn schon oft hören (Mahlers Zweite, Haydns Schöpfung, Händels Auferstehung) und immer war es ein musikalisches Fest. Um diesen Chor beneidet die Welt Berlin. Hoffentlich.

Jetzt zu den Sängern.

Franz-Josef Selig ist ein betörend schöner Gurnemanz. Im Vergleich zu René Pape ist sein Gesang viel lyrischer, er agiert mit mehr vibrato und einem leicht baritonaleren Timbre. Damit hat er zwar nicht so eine große Bühnenpräsenz oder Autorität wie der erfahrene Pape, aber kommt auf seine eigene Art zum väterlichen Charakter des Gralsritters. „Du konntest morden!“ kommt mit der gleichen Autorität wie bei Pape, aber eben durch eine andere gesangliche Technik. Gesang und Rollenportrait gehen Hand in Hand. Die Aussprache ist durchweg fehlerlos, gepaart mit Seligs Erfahrung erwachsen daraus wunderbare Gurnemanz Momente, etwa bei „und hilft auch sich,“ im ersten Akt, „des Heilands ewige Boten,“ und „höchstes Wundergut“ im dritten Akt. Auch da, wo es fast schon in den Sprechgesang geht, zeigt Selig seine Erfahrung, „so kennst du auch mich noch“ ist stimmlich authentisch und klar. Selig bring wunderbare Variationen in die Schattierung seiner Stimme. Der Karfreitagszauber ist der Kulminationspunkt von Seligs Gurnemanz, lyrischer hat man das selten gehört. Es passt auch zu dieser konzertanten Aufführung. Selig muss sich nicht mit irgendeiner Szenerie herumschlagen, sondern kann sich ganz auf den Gesang konzentrieren. Seligs Gesang passt auch zu Sir Simons Dirigat, ein mächtiger Bass wir René Pape hätte es bei diesen Tempi deutlich schwerer, hinterherzukommen und gleichzeitig die Aussprache präzise zu halten.

Wie schon anklang, habe ich Nina Stemme bereits als Kundry an der Staatsoper vor einer Woche gehört. Unter Rattle erscheint sie mir von Anfang an etwas engagierter und befreiter. Beide Male war ihr Gesang exzellent, keine Frage. Aber hier sind die Schreie der Kundry viel prägnanter, fahren einem tiefer in die Glieder. Bei „Lachte!“ im zweiten Akt geht gar ein Raunen durch den Saal. Wieder beeindruckt mich ihr Mezzo-Timbre, dass hier (möglicherweise auch wegen Rattles schnelleren Tempi) etwas befreiter singen kann.

Als Gerald Finley ankündigte, dass er Amfortas sang, haben wohl viele Kenner in der klassischen Musik aufgehorcht. Obwohl Amfortas pro Forma in seiner Stimmlage liegt (Bass-Bariton), hat Finley doch ein solch helles, weiches Timbre, dass man ihn eher dem Liederfach zuordnet als dem schweren Wagnerfach. Dass er dieses schwere Wagnerfach doch exzellent beherrscht, zeigte er dann allen als fulminant stabiler, lyrischer und langlebiger Hans Sachs. Aber Wagners Leidensfigur Amfortas? Es funktioniert erstaunlich gut, auch weil Finley hier nicht von irgendeiner Szenerie erdrückt wird. Er kann seine helle Stimme frei bewegen, dreht sich an besonders lauten stellen einmal im Kreis, sodass seine Stimme auch in alle Seiten des Saales hörbar ist. So bekommt man ein rundes Bild von einer Leidensfigur, die hier eben in hellerem Licht dargeboten wird. Wer eine stärkere Bassstimme für Amfortas vorzieht, wird von ihm enttäuscht sein. Aber da gehöre ich nicht dazu. Wer Finleys großartige Wärme und Genauigkeit erlebt, erkennt die Größe und Emotionalität dieses Amfortas.

Die eine Schwachstelle des Sängerensembles ist vielleicht Evgeny Nikitin als Klingsor. Seine Bassstimme ist natürlich stark und klangvoll, aber seine Aussprache ist teilweise arg ungenau (“Vieh” wird zu “Fee”). Er wirk etwas statisch in einem Parsifal, der immer in Bewegung ist. Er bringt nicht dieselbe böshafte Energie, schafft nicht ein akkurates Rollenportrait, wie es uns der grandiose Falk Struckmann an der Staatsoper auftischte.

Die Titelrolle des Parsifal hat ja bekanntlich nicht viel zu singen. Christian Thielemann fragte bekanntlich einmal: Warum heißt diese Oper Parsifal? Sie nach Gurnemanz oder Kundry zu benennen würde doch genauso Sinn machen! Heute Abend singt Stuart Skelton. Sein Timbre ist wärmer und tiefer als das von Andreas Schager an der Staatsoper am Montag. Skelton kann sich nicht so stark und präsent vor das Orchester stellen, wenn es drauf ankommt. Das ist bei Philharmonie und Philharmonikern aber auch schwerer als bei Staatsoper und Staatskapelle. Gerade für Stücke mit Sologesang ist die Philharmonie ein vertrackter Saal, wo das Orchester schnell zu laut werden kann. Dafür arbeitet Skelton mehr in den leiseren Momenten, etwa als Kundry ihm die Füße wäscht. Hier ist ganz viel süße Wonne und Wärme in seiner Stimme, eine Empfindsamkeit wie ich sie bei Schager an der Staatsoper vermisste.

In Summe wird die Zeit in der Philharmonie zum Raum, so wie es Gurnemanz im ersten Akt prophezeit. Sir Simon bemüht öfters gerne die Metapher, dass die in einem Konzertsaal gespielte Musik an dessen Wänden haften bleibt. Dieser Parsifal wird an den Wänden dieses großen Hauses besonders bleibenden Eindruck hinterlassen. Rattle und die Philharmoniker sind über 16 Jahre ein eingespieltes Team geworden, es sind seine letzten Konzerte als Chefdirigent. Dieser Parsifal wird als einer der Höhepunkte der Rattle-Ära in Erinnerung bleiben.

Rattle hat bei den Philharmonikern eine großartige Legacy hinterlassen, darüber habe ich hier ein Editorial als Rückblick auf seine Amtszeit geschrieben.

Schaut auch gerne auf den anderen Posts meines Blogs vorbei! Es gibt weitere Konzertkritiken (Parsifal mit Barenboim an der Staatsoper, Stephen Gould als Tristan in Amsterdam), Aufnahmekritiken (Kissin und Karajan, Barenboim und Du Pré) sowie meine Gedanken zu allen Neuigkeiten der Klassik! Lasst uns gemeinsam Spaß an der klassischen Musik haben!

// ENGLISH

Another memorable night at the Philharmonie Berlin. I am hearing my second Parsifal within one week, the first was an excellent performance with Daniel Barenboim at the Staatsoper (read the review here!). Today Sir Simon Rattle conducts Wagner’s grand final opera with the Berliner Philharmoniker and the same Kundry. Nina Stemme sings in both productions.

It’s a concert performance at the Philharmonie, which is not necessarily a problem with Parsifal. The music generates its magic from its slow pace and religiosity, Parsifal requires a lot of thinking. And a concert performance gives a lot of space for thinking, reflection and consideration. That is not to say, that a brilliant stage production is a bad idea either. Dmitri Tcherniakov’s production at the Staatsoper is a great case in point.

Rattle’s approach to the piece is completely different from Barenboim’s, and yet both veterans enjoy great success. Barenboim takes to more traditional, religious approach where he obscures intricate textures with broad brushstrokes of music. In contrast, Rattle sees himself in the tradition of the great Pierre Boulez, who famously started an entirely new tradition of interpreting Wagner’s final work: In Bayreuth in 1973, Boulez removed the dust that had settled under Knappertsbusch in the years prior and remade Parsifal through faster Tempi and a more transparent structure. Rattle follows this, the first act is roughly 20 minutes shorter than with Barenboim a few days before. The Vorspiel begins slowly, but develops a flow that is inherent throughout the evening. The music never stops and is always on the move. Rattle gives us quicker tempi and exciting transparent structures to enjoy. There is never so much as an inkling of Wagnerian religiosity or gigantomania.

The phrasing is an event in itself, because the fabulous wind soloists of the Philharmonic have a night to remember. The fantastic form of the orchestra makes the evening a true “Bühnenweihfestspiel,” or a festival play for the consecration of the stage. The orchestra consecrates its stage with the best Wagner-playing anywhere in the world. Karajan himself said, that he felt Wagner’s music was written for this orchestra. Whether that is true or not, the warm, sonorous string section of the Philharmonic (high points in Gurnemanz’ monologue), paired with grandiose, golden perfection in the brass section (Herzeleide’s death) make a Wagner sound which is unrivalled in dramatic capability. It seems unreal, but there is literally not a single mistake in the orchestra tonight. And Parsifal is anything but an easy score. Even Barenboim’s Staatskapelle had a few hiccups in the brass on Monday. Nothing like that in the Philharmonie.

The evening rushes from one highlight to the next. Even though Sir Simon’s first act is substantially faster than Barenboim’s, the tempi of the transfiguration music are pleasantly moderated. This passage becomes the high point of the night for me. Sitting in block H (directly behind the orchestra), I literally feel Wieland Welzel working the timpani during this loud, intense music. It was an experience I am unlikely to forget. Rattle can use his masterful skill of drawing a searing, visceral energy out of the music. I did not see much of these strong contours, and brute accents in Barenboim’s interpretation. This Parsifal is contrite, Wagner’s reality is turned upside down: Instead of religiosity and self-affirmation we hear dramatic self-doubt.

While the first act keeps moving through quick tempi and energetic music-making, the second act is a true revelation. Of all three, it fits best to Rattle’s musical approach. Rattle can overshoot the finish, make everything over-the-top, because the music allows him to do so. The colours are too bright, the textures are too sweet and all of it is simply pure, fantastic Parsifal. The Berliner Philharmoniker give themselves and their endless resources to Rattle, who takes all of their potential and brilliantly feeds it into the music. Rattle stretches the music to the limits of its capabilities, Kundry’s seduction music is drawn out into delicious, sine tingling phrases like pink bubble gum. Both the tempi and the sound of the orchestra are tight and compact, especially the energetic string section plays its part in taking the public to the edge of their seats in this second act. This effect is brilliantly executed in the other acts as well, Kundry’s entrance in act one distinctly reminds of the Ride of the Valkyries. However, Rattle never loses his intelligent sense of structure and dynamics in the desire and lust of act two. The music remains transparent, with all individual orchestral voices open for the listener.

In the third act, the orchestra continues its prevailing respect for the singers, without losing much of its own sonorous power and perfection. The Vorspiel now features even stronger contures than that of act one, with clear rhythmic accents that almost remind of the prelude to the third act of Tristan. The society of the Holy Grail has reached rock-bottom, both in the story and the music. In the final chorus, Rattle moderates the tempi once again, allowing the music to truly sing the final notes. At the end, I have the same impression that I had with Barenboim a few days prior: A great musical mind just took its last breaths. And both performances were conducted completely different.

Usually, I would talk about the singers now. But first, a few words on the true star of the evening: The Rundfunkchor Berlin gives such a fantastic performance, that Parsifal suddenly reminds me of a geniuine choral opera like Tannhäuser. The Chorus of the Berlin State Opera does not come close to the incredible precision of the Rundfunkchor. Maybe the Philharmonie is also a more pleasant hall for the choir to sing in, with a more exposed and musically prominent positioning. But the diction of the Rundfunkchor is also so much clearer! The last words “Hehrstes Wunder! Erlösung dem Erlöser!” are sung with such precision, that you don’t just see, but actually hear how Wagner divided up the choirs. From several remote positions, the choir (brilliantly prepared by Sir Simon’s long-time choir director Simon Halsey) makes this Parsifal a truly great evening. I have heard the Rundfunkchor many times (Mahler’s Second, Haydn’s Creation, Händel’s Resurrection) and it was always a special experience.

Now to the singers.

Franz-Josef Selig is a truly beautiful Gurnemanz. Compared to René Pape, Selig takes a much more lyrical approach, employing more vibrato and a slightly more baritonal timbre. While he does not develop the same sort of presence and authority as the experience Pape, he does manage to develop an authentic portrayal of the Grail knight. “Du konntest morden!” is executed with the same authority that we know from Pape, but utilising a different singing technique. Selig’s diction is flawless throughout, and through pairing it with his long stage experience Selig creates some truly unforgettable Gurnemanz moments: “und hilft auch sich” in act one, „des Heilands ewige Boten,“ and „höchstes Wundergut“ in act three. Also in the Sprechgesang parts, such as “so kennst du auch mich noch”, Selig’s singing is clear and understandable. The Good Friday Music is the culmination of Selig’s Gurnemanz, I have never heard this music with such a lyrical approach. And this also fits to the concert performance: instead of fighting with distracting scenery around him, Selig only needs to focus on the exquisite music. And with his more subdued approach, Selig also accommodates Sir Simon’s conducting. A mighty bass voice like that of René Pape would have been much more difficult to wield under the pressure of Sir Simon’s fast tempi.

As I already said, I heard Nina Stemme as Kundry at the Staatsoper under Barenboim a few days before. Under Rattle she seems a little more liberated and unhinged to me as Kundry, perhaps that also has to do with being liberated from the scenery. Both times her singing was top-notch, no question. But in the Philharmonie, Kundry’s shreeks are much more immediate. When she sings “Lachte!” there an audible murmur of surprise can be heard the audience. Once again, her Mezzo-Timbre is impressive, maybe it’s also Rattle’s tempi that allow her to dive a little deeper into Kundry’s scintillating character.

I was a little surprised when Gerald Finley announced he would be singing Amfortas. Even though the part is in his vocal range (bass-bariton), Finley sports such a light, delicate timbre that most identify him as a specialist for the Lieder-repertoire, rather than heavy Wagner. He already proved all of these sceptics wrong as a fabulous, stable and lyrical Hans Sachs. Amfortas also works surprisingly well, also because Finley can wield his sonorous voice without any pressure of scenery. During particularly loud passages, Finley turns around in a circle, so that his voice reaches every side of the hall in equal measure. Since he was singing with his back to me, that was much appreciated. Those who prefer a stronger bass voice for Amfortas will be disappointed by him. But Finley’s exact pronunciation and unbeatable warmth make his Amfortas something different and truly special.

The one slight weak point in the singing ensemble is perhaps Evgeny Nikitin as Klingsor. While his bass voice is strong and sonorous, his diction is slightly lacking (“Vieh” becomes “Fee”) and he does not bring the same diabolical, villainous energy to the role that Falk Struckmann offered at the Staatsoper. That performance was truly one to reckon with.

To the title. Parsifal himself does not have much to sing in his opera. Christian Thielemann famously joked: Why call this opera Parsifal? Calling it Gurnemanz or Kundry would fit much better! Stuart Skelton is Parsifal tonight, he sports a much warmer, deeper timbre than Andreas Schager at the Staatsoper on Monday. While Skelton does not position himself as strongly before the orchestra, he (similar to Selig) aims for the more lyrical, wounded approach. It is also worth pointing out that the Philharmonie is not an easy hall to sing in. The orchestra can get too loud too quickly, suffocating the singers. That does not happen tonight, Skelton produces some wonderful delicate tenor-moments, for example when Kundry washes Parsifal’s feet. There is so much warmth in this passage, warmth that I had missed with Schager at the Staatsoper.

All in all, time becomes space in the Philharmonie, just like Wagner professes it through Gurnemanz in act one. Sir Simon likes to mention the metaphor, that the music becomes embedded in the walls of the hall in which it is played. This Parsifal will remain in the walls of the Philharmonie for a long time. Sir Simon and the Philharmoniker have become attuned to one another over the last years, his last concerts as chief conductor are coming up. I have written an editorial on Sir Simon’s legacy as chief conductor at the Berlin Phil, looking back on his time at the top of the classical music world.

Also, please have a look on the other posts of my blog! There are other great reviews of live performances (Parsifal with Barenboim at the Staatsoper, Stephen Gould as Tristan in Amsterdam), reviews of recordings (Kissin and Karajan, Barenboim and Du Pré) as well as my thoughts on all important news in classical music. Let’s have fun with classical music together!

 

4 thoughts on “Review // Bericht Parsifal; Rattle, Berliner Philharmoniker, Stemme, Finley, Skelton, Selig, Nikitin

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