Review // Bericht Barber, Dvorak, Elgar, Zinman, Mørk, Rotterdam Philharmonic

LIVE: Dvorak Cello Concerto, Elgar Enigma Variations. Rotterdam Philharmonisch Orchest, David Zinman, Truls Mørk

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–HERUNTERSCROLLEN FÜR DEUTSCH–

Well, I am in a concert hall for the first time in nearly 5 (!) weeks, about time. I hope you have enjoyed the various Records– and News- Posts in the past few weeks. Now, more Live-Reviews and Shots will be forthcoming!

David Zinman conducts the Rotterdam Philharmonisch Orchest in a concert of Dvorak, Elgar and Barber. Truls Mørk is the soloist. For the concerts on the next two nights, there are still tickets available. Find 10 EURO-tickets for under-27-year-olds via the Future! Brilliant seats (stalls, row 3) at such a cheap price, you will not get that on many other places in the world.

We begin with Barber’s Second Essay, really a thankful modern peace for both orchestra and listener. Similarly to John Adams’ Harmonielehre, this piece has a vibrant rhythm and plentiful opportunities for the orchestra to show off. Zinman conducts with a calm hand and pays particular attention to the structure of the music, shows its edges. Especially the interesting dynamic shifting of the woodwinds and the brass gives this piece a roomy feel, with several layers of depth to be explored.

I have always had a problem with Edward Elgar. Hence, I was slightly sceptical going into his Enigma Variations op. 36. Elgar was an ardent admirer of Wagner, and this piece is not short on thematic work. But somewhere along the way, Elgar lost the Meister’s commanding ability to write transparent phrasing.

David Zinman and the Rotterdam Philharmonic take their time at the beginning, only the prevalent woodwinds in both the R.B.T. and Dorabella variations manage to conjure some vitality and virtuosity. Gradually, the orchestra warms up, the wonderful Nimrod variation is full of subtle emotional force in the strings. Sir Simon Rattle would perhaps grip the reigns more tightly in the tempi, would aim for a greater emotional heat that would bring a little bit more excitement to the piece. Zinman instead beats as clear a path as possible through the phrasing, despite Elgar’s roomy orchestration that includes a sizeable brass section and a (subdued) organ. The orchestra uses its singular characteristic, this deep sound that never looses transparency, to brilliantly support his efforts.

After the interval Truls Mørk takes the stage to play Dvoraks Cello Concerto in B-Major op. 104. Do you want an idea of how it sounded? Find it here, I have already written a little something about the piece. Now hearing it live, several things surprised me: Mørk’s beginning is remarkably subdued: Little vibrato, sparse bowing, the dynamics are taken back. The cello does not cry out in despair or dance in rapturous excitement. Rather, this all sounds rather cool and nordic. In the beginning, Mørk overdoes the vulnerability, hides too much of the piece and its emotional potential.

As soon as we get to the development, Mørk finally lets loose. From the middle of the first to the middle of the third movement, one of the world’s best cellists of today casts all musical inhibitions aside. Seeing him in such proximity for 10 Euros is a true gift. The highlight of the night is Mørk’s duet with the concertmaster, both seasoned musical veterans give their all: dynamics, tension, emotion, bowing and phrasing and slighly-faster-than-usual-tempi. It’s all there.

Then comes the last solo passage, and here Mørk sadly retreats back into the subdued mindset that he employed in the opening bars. While there is more vibrato now, bowing and dynamics are once again remarkably quieted down. Zinman does his best to compensate and puts a little more verve than usual in the final stretta. The orchestra, which has been the polite accompanist for the last 40 minutes, also gets some time to shine. Solo clarinet and horn are especially stellar tonight.

Dvorak’s Waldesruhe op. 86 No. 5 for cello and orchestra is the encore, which Mørk plays with exactly the emotion and feeling that I was just missing in the final part of the Dvorak concerto.

A great evening, with some shade points in the Dvorak.

Please check out some of the other wonderful other things on my blog as well, I would love to hear what you think 🙂 Take the SHOT for this concert here!

// DEUTSCH

Zum ersten Mal seit knapp 5 Wochen wieder in einem Live-Konzert, höchste Zeit! Ich hoffe, die vielen Records– und News– Posts in den letzten Wochen haben euch gefallen, jetzt gehts wieder mit mehr Live-Kritiken und Shots weiter!

Gestern Abend spielen die Rotterdamer Philharmoniker unter David Zinman Dvorak, Elgar und Barber, Truls Mørk ist Solist. Das Konzert wird noch zwei mal wiederholt, Karten findet ihr via die Future-Page. Und hinzugehen ist wirklich eine gute Idee- Für unter-27-Jährige sind Karten für 10 EURO zu haben. So ein grandioses Preis-Leistungs-Verhältnis gibt es in wenigen Konzerthäusern weltweit. Und wir hatten die besten Plätze (Parkett Mitte, Reihe 3). Wir konnten Truls Mørk aufs Griffbrett spucken.

Zinman und die Rotterdamer Philharmoniker bestreiten die erste Konzerthälfte allein, beginnen mit Barbers Second Essay. Es ist eines der wenigen “modernen” Stücke, die gleichzeitig eine vertrackte Rhythmik haben, aber doch relativ leicht für den Hörer zu verdauen sind. John Adams’ Harmonielehre etwa ist da nicht unähnlich.

Zinman dirigiert dieses orchestrale Schaustück ruhig, setzt gerade hier auf Struktur: Er meißelt klangliche Klippen heraus, gerade in der dynamischen Positionierung der Holzbläser gegenüber den Blechbläsern. Es wirkt, als wäre das Stück eine Opernbühne: Ein expansiver Raum mit mehreren Ebenen in der Tiefe, die man trotzdem alle auf einmal einsehen kann. Barber mit Vorhang.

Mit Edward Elgar hatte ich eigentlich schon immer ein Problem. Und auch bei seinen überaus erfolgreichen Enigma-Variationen op. 36 ist mir die Melodieführung manchmal arg undeutlich. Elgar war glühender Wagner-Verehrer, das hört man in der thematischen Dichte des Stückes. Aber die großartige Gabe des Meisters, Phrasierung und Klang transparent zu gestalten, ist Elgar abhanden gekommen.

Auch Zinman und die Rotterdamer Philharmoniker brauchen ein bisschen Zeit, ehe sie auf Betriebstemperatur kommen. Die Spielfreude kommt hier hauptsächlich über die Holzbläser, die etwa in der R.B.T. oder Dorabella Variation die Streicher mitreißen. Dann agiert man etwas losgelöster, emotionaler. Herrlich schwelgend dann die Nimrod-Variation. Sir Simon Rattle würde wohl die Tempi etwas anziehen, die klangliche Pranke mehr zum Einsatz bringen, das Ganze etwas spannender machen. Dafür ist hier die Phrasierung so klar, wie es die Partitur erlaubt. Zinman versucht, das klangliche Gewebe zu durchdringen und auszuleuchten, indem er Blech und Orgel angenehm zurücknimmt. Fabelhaft hier besonders die Solobläser und Solo-Cello bzw. Bratsche. Das Orchester glänzt wie immer mit dieser einzigartigen klangliche Tiefe, der aber nie die Transparenz zum Opfer fällt.

Nach der Pause spielt Truls Mørk Dvoraks Cellokonzert in h-moll op. 104. Über dieses Konzert hab ich schon ein Kleines Etwas geschrieben; ich war gespannt darauf, es nun live zu hören. Mørk beginnt merkwürdig verhalten: Wenig Vibrato, wenig Bogeneinsatz, wenig Klang und Emotion bei so einem aufgeladenen Stück. Der Bogen tanzt nicht böhmisch, das Cello schreit nicht auf. Es klingt alles sehr nordisch-verkühlt, zu empfindsam und zurückgenommen.

Aber als es im ersten Satz in die Durchführung geht, lässt Mørk endlich los. Vor uns entfaltet sich zum Finale des ersten Satzes bis in den Beginn des dritten Satzes ein großartiges Musikschauspiel. Truls Mørk, einen der welt besten Cellisten heutzutage, so aus nächster Nähe sehen zu können, ist ein echtes Geschenk (für 10 Euro). Highlight des ganzen Abends ist für mich Mørks Duett mit dem Konzertmeister des Orchesters. Beide geben hier wirklich alles, holen das Maximum aus ihren Instrumenten heraus.

In der letzten Solopassage gerät Mørk leider wieder genauso zurückgenommen wie zu Beginn. Das Vibrato ist jetzt vordergründiger, aber immer noch sind Bogeneinsatz und Dynamik merkwürdig zurückgenommen. Die Abschlussstretta leistet Abhilfe, Zinman lässt den Abend mit Schwung ausklingen, nachdem das Orchester die vorigen 40 Minuten artig begleitet hat. Solisten an der Klarinette und am Horn sind fehlerlos.

Als Zugabe gibt es Dvoraks Waldesruhe op. 86 Nr. 5 für Cello und Orchester, gespielt mit den Gefühlen und Emotionen, die im vorangegangenen Konzert teils gefehlt haben.

Ein musikalisch guter Abend, mit etwas Schatten im Dvorak.

Schaut auch gerne auf den anderen Seiten meines Blogs vorbei, ich würd mich freuen von euch zu hören 😀 Den SHOT zu diesem Konzert könnt ihr hier lesen!

2 thoughts on “Review // Bericht Barber, Dvorak, Elgar, Zinman, Mørk, Rotterdam Philharmonic

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