Merci, Jacqueline: An immortal performance // Dvorak, unsterblich

RECORDS: Dvorak, Cello Concerto // Cellokonzert. Chicago Symphony Orchestra, Daniel Barenboim, Jacqueline Du Pré.

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Wie haucht man einem unglaublich populärem Stück neues Leben ein? Einem ewig gespielten Klassiker wie Dvoraks Cellokonzert in b-Moll op. 104 zum Beispiel. Nach neuen Interpretationsansätzen suchen? Die Dynamik anders schichten? Klar, kann alles helfen.

Man kann aber auch einfach ein Genie als Solist aufs Podium setzen. Dann wird das Stück sofort zum Ereignis. Ohne Wenn und Aber. Auf dieser Aufnahme mit dem Chicago Symphony Orchestra spielt Jacqueline du Pré scheinbar um ihr Leben. Sie ist weithin bekannt als eine der größten Musiker, die wir je hatten. Ihre Aufnahmen sind legendär, ihr Mann Daniel Barenboim dirigiert, vielen gilt diese Aufnahme als unübertroffen.

Jacqueline du Prés Cello klingt schlichtweg einzigartig. So eine emotionale Tiefe, so ein intensives Vibrato. Sowas bekommt man in keiner anderen Aufnahme. In jeder Phrase steckt eine Emotion, die umwirft. Das emotive Vermögen dieses Klanges fährt einem regelrecht in die Glieder. Anders kann man diese Stärke, diese Intensität kaum beschreiben. In meiner Hörerfahrung kann ihr keiner in Klangkraft das Wasser reichen. Sie ist eine Tour De Force. Gute Köpfhörer oder Lautsprecher sind sehr zu empfehlen.

Durch alle drei Sätze hindurch überzeugt Du Pré restlos. Sie ist eben ein Genie, und ein Genie nimmt sich den Raum, den es braucht. So ist das Cello durch die ganze Aufnahme hinweg extrem präsent, die Holzbläser haben Du Pré nicht viel entgegenzusetzen. Alle wissen, die Bühne gehört ihr. In der Höhe sind ihre Noten fast schreiend, die Triller und der abwärts laufende Gang zum Ende des zweiten Satzes klingen fast wie ein trauriger Abschied.

Du Pré ist flexibel. Die Tiefe Lage im ersten Satz ist von bemerkenswerter Emotion, der Beginn des dritten wunderbar verspielt. Sie setzt es gerne einmal plötzlich langsamer an, Rubati sind wunderbar platziert, der Fluss der Musik wird nie unterbrochen. Vor der Orchesterüberleitung zum zweiten Thema im dritten Satz ist das gut zu hören. Auch das Zusammenspiel mit dem fantastischen Konzertmeister gelingt mit Puls und unwiderstehlichem Jubel.

Die letzte Solopassage, mit dem hohen b, auf dass das Orchester dann mit einer schnellen Abschlussstretta folgt, habe ich nie so eindrucksvoll gehört. Der Ton fährt in die Glieder, so stark ist er. Wie ein eisig-heißer Blick scheint er einen zu durchdringen. Im letzten lauten Vibrato hört man sogar, wie Du Prés Finger auf das hölzerne Griffbrett treffen, mit so viel Einsatz ist sie unterwegs. Die letzten 2 Minuten sind vielleicht die schönsten 2 Minuten Musik, die ein Cello je auf einer Aufnahme gespielt hat.

Alles sitzt. Von der großen Jacqueline Du Pré ist es eine außerirdische Vorstellung.

Das Orchester unter Daniel Barenboim ist angenehm zurückgenommen, stört Du Pré nie wenn sie spielt. Das ist wirklich auffällig an dieser Aufnahme, wie sehr das Cello im Vordergrund steht. Barenboims Tempi sind angenehm, nicht sonderlich auffällig. Der dritte Satz ist angenehm flott, hier und da zeigt Barenboim neue Details in der Partitur auf, die man sonst nicht findet. Eine ruckartige Bewegung der Geigen hier, ein nettes Zusammenspiel zwischen Holz und Blech da.

Sonst folgt er aber dem Weg seiner Frau. Das Orchester agiert mit einer ähnlichen Bereitschaft zur Emotion wie die Solistin. Impulsiv bricht es heraus, wenn es sich dann mal in voller Größe präsentieren darf. Da hilft auch das berühmte Chicago-Brass mit, die Blechgruppe des Chicago Symphony.

Die Aufnahmetechnik ist leider manchmal nicht ganz so günstig. Der Saal hat hier und da ein gewaltiges Echo, gerade in der Geigenüberleitung in die Soloexposition im Dritten Satz und manchmal auch im ersten Satz. In den gewaltig lauten Passagen wird die Phrasierung leider etwas undeutlich, die abschließende Stretta wirkt hektisch und etwas gefühlsarm. Wie gesagt, das kann genauso gut auch dem Saal geschuldet sein.

Die gemeinsamen Aufnahmen von Jacqueline Du Pré und Daniel Barenboim waren legendär. Du Pré galt als die beste Cellistin ihrer Generation, ein Genie. Barenboim genauso, einer der ganz großen jungen Pianisten und später auch Dirigenten. Gemeinsam machten die beiden ein völlig vergessenes, nie gespieltes Stück, das Cellokonzert des englischen Komponisten Edward Elgar, zu einem Welterfolg. Sie galten als das Dream-Team der klassischen Musik.

1973, im Alter von nur 28 Jahren, wurde bei Jacqueline Du Pré Multiple Sklerose diagnostiziert. Sie verlor das Gefühl in ihren Fingern, koordinierte in ihren letzten Konzerten ihre Finger auf Sicht. Sie verstarb 1987, fast 15 Jahre nach ihrem letzten Konzert, im Alter von 42 Jahren. Wie Aufnahmen von etwa Jascha Haifetz oder Carlos Kleiber schreiben alle Tondokumente Jacqueline Du Prés Musikgeschichte. Wir sollten sie für immer bewahren und schätzen, so machen wir ihr Genie unsterblich.

Schaut auch gerne mal auf den anderen Seiten meines Blogs vorbei! Mich würd freuen, zu hören wie ihr sie so findet 🙂

// ENGLISH

So how do you give an overplayed classic new life? Dvoraks Cello Concerto in b-flat Minor op. 104 is such a piece- insanely popular and very beautiful, it is played just about everywhere. Maybe new interpretative perspectives? A new shift of the dynamics? Sure, those are all legitimate means to make an interpretation of this piece exciting.

Or you can have Jacqueline Du Pré as your soloist. In this recording with the Chicago Symphony Orchestra, she puts down an unforgettable performance. Du Pré was a musical genius, one of the greatest musicians to have ever committed her work to record. Those records are legendary, especially the ones conducted by her husband, Daniel Barenboim. He is also at the helm of the Chicago Symphony for this recording.

Du Pré’s playing sounds unique, that really hits it. I have never ever heard such an emotional depth, such an intense sound from a cellist ever again in any recording. Every phrase packs a bomb of emotion, that explodes in your ear. It is difficult to convey the intensity of Du Pré’s playing, it leaves you breathless. No one can reach that level of force, of pure gut-punching beauty on a cello. Get good headphones or loud speakers for this one. It is a Tour de Force.

Du Pré is brilliant throughout the entire work. She takes the space she needs, both in dynamics and phrasing. The cello is extremely present, the woodwinds do not stand much of a chance. Which is perfectly alright. The high notes almost scream, the trillers are magical, the descending notes towards the end of the second movement sound like some sort of farewell. It is a whirlwind of emotion, a rollercoaster of everything you could wish for in this piece, and more. Du Prè captures the stage and does not give it up.

She has incredible versatility on the cello: in lower positions she can conjure remarkable, deep emotions, especially in the first movement. By contrast, the beginning of the third movement is playful, full of subtle nuances, rubati and dynamic variations. Never is the flow of the music disrupted, the duet between Du Prè and the concertmaster also goes off in jubilant perfection.

And then comes that last solo passage, ending on an incredible high b-flat. The orchestra then joins in with a final last stretta, I have never heard this last passage played like this. The sound of the cello literally rips through you, pierces the flesh and shoots right to the emotional core. In her last vibrato, you even hear how the finger hits the wooden fingerboard of the cello. Du Pré gives absolutely everything, the last two minutes of this recording are the most beautiful 2 minutes of music that I have ever heard on a cello.

Every note is foot-perfect. The great Jacqueline Du Pré gives an incomprehensible performance.

Daniel Barenboim does us a huge favour in holding the Chicage Symphony Orchestra back, so that Du Pré can do her magic undisturbed. In comparison to other recordings, it is really astounding how much the cello stands out. Barenboim’s tempi don’t raise many eyebrows, the third movement has a nice little dash of speed to it. We also see some nuances in the score that we did not know before, an accent in the violins or a different take on the relationship between wood and brass.

But Barenboim knows, that he is the supporting actor here. The orchestra nonetheless responds with a rush to equal emotional impulse of the soloist. When the famous Chicago brass does get the opportunity to stand out, it does so brilliantly.

Admittedly, this is not the best-recorded performance of all time. The hall has an annoying echo sometimes, especially in the transition into the solo exposition of the third and at times in the first movement. Because of this, the phrasing sometimes gets a little muddled as the dynamics rise.

But that is truly nitpicking. The recordings that Jacqueline Du Pré and Daniel Barenboim made together are truly legendary. Du Pré was the best cellist of her generation, a genius. Likewise, Barenboim was heralded as the great upcoming young pianist and was to become a truly great conductor. As testament to their musical influence in the 1960s, they brought forth a completely forgotten work, the Cello concerto of the British composer Edward Elgar, and made it a global success through one of their incredible recordings.

In 1973, at the age of only 28, Jacqueline du Pré was told that she had fallen ill with multiple sclerosis. She was losing the feeling in her fingers, during her final concerts she played only by looking at her fingers. She died in 1987, over 15 years after her final concerts, at 42 years of age. Just like recordings of geniuses such as Jascha Haifetz or Carlos Kleiber, Jacqueline Du Pré’s recordings are essential to musical history. Through cherishing and hearing them, we help her genius into the realm of immortality.

Please check out the rest of my blog as well 😀 Find so much more exciting stuff on all things classical music!

 

18 thoughts on “Merci, Jacqueline: An immortal performance // Dvorak, unsterblich

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